Zahnprobleme und ihre Ursachen

Das Milchzahngebiss

im Alter von 2,5 bis 3,5 Jahren sind rund 80% der für die Nahrungsaufnahme wichtigen Zähne vom Zahnwechsel bzw. vom Zahndurchbruch betroffen, was eine enorme Belastung für das Immunsystem des Jungtieres bedeutet. Hinzu kommt, dass in den meisten Fällen in dieser Zeit auch das Training der Tiere beginnt.

 

Weiterhin kann es vorkommen, dass sich Milchzahnkappen nicht korrekt lösen oder sich verkanten, was dazu führt, dass sich der bleibende Zahn in den Kieferknochen reinschiebt,was zu starken Schmerzen führt, bishin zum Durchbruch durch den Kieferknochen.

Bricht der Milchzahn während des Wechsels ab, kann es sein, dass Reste der Milchzahnkappe im Gebiss verbleiben und zu Problemen führen können.

 

Es ist somit ratsam, den Zahnwechsel von einem Fachmann begleiten zu lassen. Die Untersuchungsintervalle können Sie unter dem Punkt Behandlung nachlesen.

An den Backenzähnen

Auf Grund der strukturärmeren Nahrung, die unsere Pferde bekommen, müssen diese nicht mehr so weit durchschwingen beim Kauen und es kommt zu einer unregelmäßigen Abnutzung der Kauflächen. Das bedeutet, dass sich an den Außenkanten des Oberkiefers und an den Innenkanten des Unterkiefers scharfe Kanten bilden, die dem Tier in die Schleimhaut/Zunge drücken und diese verletzen, das verstärkt sich noch durch das reiten mit dem Gebiss (die Mundwinkel werden gegen die Kanten gedrückt) und noch durch den Sperrriemen verstärkt.

 

Oft kommt es auch zu einer Hakenbildung im an den ersten und letzten Backenzähnen (oft diagonal), die in der Regel zu Rittigkeitsproblemen führen. Das Pferd ist dann nicht mehr in der Lage den Kiefer frei zu bewegen was sich oft bei Problemen in der Biegung zeigt.

 

Ein Wellengebiss entsteht durch den unregelmäßigen Wechsel der Milchzähne. Dabei erreichen manch bleibende Zähne ihren Gegenspieler schneller als andere und es kommt zu einer unterschiedlichen Abnutzung. Da sich Wellen in der Kaufläche nicht von selbst beheben, ist besonders im Zahnwechsel eine entsprechende Kontrolle und rechtzeitige Korrektur wichtig.

Die extreme Version des Wellengebisses zeigt sich im Stufengebiss. Dieses entsteht entweder aus einem immer schlimmer werdenden Wellengebiss oder aber durch fehlende Zähne. Dadurch, das der Gegenspieler für den Zahn fehlt kann dieser immer tiefer in den gegenüberliegenden Kiefer hineinwachsen. Oft findet man diese Phänomen bei älteren TIeren, deren Zähne nie kontrolliert wurden, hier ist in vielen Fällen nur noch Schadensbegrenzung möglich.

 

Zum sogenannten Scherengebiss kommt es, wenn das Pferd vorwiegend auf einer Seite kaut. Dadurch entsteht auf der Kauseite eine zu große Abnutzung aber ein verringerter Kauausschlag, der wiederum dafür verantwortlich ist, das die Backenzahnwinkelung der anderen Seite zu steil ausgebildet wird. Diese Fehlstellung schränkt den Kauausschlag jedoch noch weiter ein und es entsteht ein Teufelskreis. Solche gravierenden Fehlstellungen müssen individuell und manchmal über mehrere Sitzungen korrigiert werden.

An den Schneidezähnen

Auf Grund der heutigen Nahrung werden die Schneidezähne kaum noch benötigt und werden somit zu lang. Geschiet dies, muss der Druck der zum Mahlen der Nahrung benötigt wird immer größer werden, was wiederum eine erhöhte Belastung der Kiefergelenke und Kaumuskulatur zur Folge hat. Die Schneidezahnkorrektur ist in den meisten Fällen notwendig und wird individuell abgewägt.

 

Probleme an den Schneidezähnen können aber auch auf Haltungsfehler, Frakturen, Zahnwechselprobleme u.a. zurückzuführen sein. Da Fehlstellungen in dem Bereich nicht nur Schmerzen, sondern auch Fehlstellungen und Belastungen im gesamten Bewegungsapparat nach sich ziehen können, ist eine Behandlung sehr wichtig.

 

Eine Fehlstellung kann ein Unter- oder Überbiss darstellen, woraufhin die gesamte Kaubewegung eingeschränkt ist. Eine Korrektur ist anzuraten. Diese Form der Fehlstellung ist in den meisten Fällen angeboren.

 

Schäden am Zahnschmelz treten häufig auf Grund von Verhaltensstörungen des Pferdes auf, bei denen sich die Tiere die Schneidezähne regelrecht abwetzen. Aber auch durch traumatische Einwirkung kann es zu Schäden kommen. Oftmals versucht sich das Tier selbst zu helfen und sich eigenständig die Schneidezähne zu kürzen, was in der Regel ohne erfolgt bleibt und durch einen Fachmann gemacht werden sollte.

Die Wolfszähne

Wolfszähne sind Zähne, die direkt vor dem ersten Backenzahn liegen, in der Regel brechen diese im 1. Lebensjahr durch, können aber auch als "blinder" Wolfszahn unter der Schleimhaut vorkommen. Es handelt sich hierbei um verkümmerte Backenzähne, die in Form und Größe stark variieren können.

Da ein vorhandener Wolfszahn die Rittigkeit des Pferdes und die Akzeptanz des Gebisses stark negativ beeinflussen kann, ist eine Extraktion oftmals angeraten. Dies ist in der Regel unproblematisch und kann im Stall durchgeführt werden.

Die Hengstzähne

Die Hengstzähne (Canini) kommen in der Regel nur bei den männlichen Tieren vor und dienen als Kampfzähne. Aus diesem Grund sind diese Zähne auch ziemlich scharf und spitz und können beim Reiten durch das Gebiss und enge Sperriemen Zunge und Lippe des Tieres verletzen. Ebenso können die Zähne durch Rangeleien auf der Weide oder Hängenbleiben in Heunetzen etc. Entzündungen und Frakturen des Zahns hervorrufen.

Allgemeine Gebissprobleme

Eine weitere Problemstellung stellen überzählige, nich angelegte, gebrochene, lose, vereiterte, faule Zähne dar, sowie Knochenauftreibungen. Diese unphysiologischen Befunden vermindern ebenso die Kaukapazität und können schlechtes Allgemeinbefinden bzw. Unrittigkeit zur Folge haben.

 

Alle entzündlichen Prozesse die durch ein unphysiologisches Gebiss aufgetreten sind werden ebenso behandelt und versorgt. Auch Zahnstein, welcher sich oft an den Hengstzähnen absetzt muss entfernt werden um z. Bsp. Zahnfleisch/Schleimhautentzündungen vorzubeugen.

Der Pferdebesitzer steht in der Pflicht, die Nachteile, die sich durch die unnatürliche Pferdehaltung ergeben, durch eine regelmäßige Zahnpflege auszugleichen.

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